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Die Kunstgesellschaft Davos, gegründet am 25. April 1919 war über alle Jahre hinweg ein kleiner, bescheidener, vor allem lokal ausgerichteter und von ehrenamtlicher Tätigkeit geprägter Verein. Ihm lag es am Herzen, eine kul­turelle Abwechslung in die stark von den Jahreszeiten, von Krankheit und Genesung und vom Tourismus geprägte, periphere Region zu bringen. Das Hauptanliegen des Vereins bestand darin, Einheimischen und Gästen, Kindern und Senio­ren, Gebildeten und weniger Gebildeten, Schweizern und Migranten den Zugang zu qualitativ hoch­ste­henden und vielfältigen kulturellen Veranstaltungen zu ermöglichen und ihr Leben da­mit zu bereichern. Insbesondere erwähnenswert ist die Dokumentation "Die Kunstgesellschaft – eine Jahrhundertgeschichte".

Albert Einstein eröffnete die Davoser Hochschulkurse, 1928
Albert Einstein eröffnete die Davoser Hochschulkurse im Jahr 1928. Bereits in den Zwischenkriegsjahren war Davos Treffpunkt von Persönlichkeiten aus der ganzen Welt.

Kultur in all ihren Facetten kann so vieles für den Einzelnen sein: Abwechslung, Anregung, Ablenkung, Zerstreuung, Impulsgeber, Wissensvermittler, Stimmungsauf­heller, Ideen­lie­ferant, Kontaktbörse, Seelenbalsam usw., denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Verdichtet war dies das Selbstverständnis der Kunstgesellschaft Davos.

Kurzer Überblick zur Geschichte der Kunstgesellschaft

  • 1921: Das Programm der Kunstgesellschaft führt von einer Lesung von Thomas Mann bis zu einer Weihnachtsausstellung von Davoser Künstlern, darunter Philipp Bauknecht, in den Kurhaus-Arkaden.
  • 1922: Werke von Wilhelm Schwerzmann und Ernst Ludwig Kirchner werden im Januar in der Buchhandlung Heintz & Roussel sowie in den Curhaus-Arkaden ausgestellt. Im März liest Hermann Hesse aus seinen Werken im Curhaus, im Juli folgt eine Ausstellung mit Werken der Schweizer Grafikvereinigung «Die Walze».
  • 1923: Im Februar gibt ein Bläserquintett des Leipziger Gewandhaus-Orchesters ein Konzert im Curhaus.
  • 1926 organisiert die Kunstgesellschaft eine Ausstellung mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner im Schulhaus. Im Mai führen Mitglieder des Zürcher Schauspielhauses August Strindbergs «Totentanz» im Curhaus auf, im November stehen im Belvedere «Hoffmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach auf dem Programm.
  • 1927 gastiert Max Hirzel, Tenor der Dresdner Staatsoper, im Curhaus.
  • 1928 liest Martin Andersen Nexö aus seinen Werken. Der dänische Schriftsteller tritt auch
  • 1931 auf. In jenem Jahr hält zudem der Psychiater und Psychotherapeut Carl Gustav Jung einen Vortrag in Davos.
  • 1932 wird im Protokoll der Kunstgesellschaft vermerkt: «Die wirtschaftliche Krisis und die allgemeine geistige Interessenlosigkeit haben sich im vergangenen Jahr in unangenehmer Weise ausgewirkt. So war der Kurverein leider gezwungen, den Subventionsbeitrag von Fr. 10000.- auf die Hälfte zu reduzieren.» Bis
  • 1937 prägen vor allem Musik und Vorträge das Programm, hinzukommen Literatur-, Fotografie- oder auch Sprachkurse.
  • 1938 übernimmt Walter Kern von Dr. Rudolf Wolfer das Präsidium der Kunstgesellschaft. Zuvor organisiert Walter Kern noch die vielbeachtete Ausstellung «Graubünden in der Schweizerischen Malerei» – und verbindet diese mit einer Ausstellung zum Gedenken an den unlängst verstorbenen Ernst Ludwig Kirchner.
  • 1941 organisiert die Kunstgesellschaft die Ausstellung «50 Jahre Schweizer Plakat», zu der ein illustrierter Katalog erscheint. Die Plakate werben unter anderem für Graubünden, das Berner Oberland, für «Chocolat Klaus» oder das Bahnhofbuffet Basel.
  • 1943: Erstmals taucht im Programm der Kunstgesellschaft Davos der Name Ernst Häfliger auf. Der Tenor ist in Davos aufgewachsen.
  • 1945 zählt die Kunstgesellschaft noch 66 Mitglieder, im Jahr 1935 waren es noch 200. Präsident wird in diesem Jahr Walter Mörikofer, Vorsteher des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums. In den nächsten Jahren bilden Theater und Musik die Programmschwerpunkte. Anklang findet etwa das Cabarett Cornichon.
  • Eine Statistik zeigt, welche Veranstaltungen im Vereinsjahr 1947/1948 besonders gut ankamen – und welche nicht. Die Theateraufführung von Ibsens «Gespenster» besuchten 487 Personen, den Klavierabend von Wilhelm Backhaus (mit Bach, Brahms, Schumann) besuchten gar 503 Besucher. Mehr als zehn Mal weniger Personen besuchten Vorträge wie «Das geistige Antlitz Amerikas», «Voraussetzungen eines Gesprächs mit Deutschland» und «Über Regional- und Landesplanung».
  • 1948 zählt die Kunstgesellschaft wieder 155 Mitglieder.
  • 1951 soll die Tradition der Davoser Hochschulkurse fortgesetzt werden: Alfred Weiss, ehemaliger Auslandskorrespondent der Schweizerischen Depeschenagentur, gelangt an die Kunstgesellschaft mit der Idee von Vortrags- und Diskussionsreihen, von «Rencontres internationales», an denen Politiker, Professoren und Journalisten öffentlich debattieren. Die Idee, heisst es in einer Akte der Kunstgesellschaft, sei nicht sonderlich originell, solche «Rencontres» gäbe es bereits in Genf, Zürich, Wiesbaden und anderen Städten mehr. Der «Plan Weiss» wird abgelehnt.
  • 1952 wird eine Grafik-Ausstellung ausgerichtet. Im gleichen Jahr laden die Kunstgesellschaft und die Neue Helvetische Gesellschaft Bundesrat Max Weber zur Mitwirkung an dem staatsbürgerlichen Vortragszyklus «Grundfragen des demokratischen Lebens» ein. Diesmal ist es der Bundesrat, der dankend ablehnt. Ein solcher Vortragszyklus zur Förderung des geistigen Lebens sei zwar sehr begrüssenswert, schreibt Max Weber, weshalb er bedaure, eine abschlägige Antwort erteilen zu müssen. Aufgrund seiner «gegenwärtigen Beanspruchung» fehle ihm jedoch die Zeit für die Vorbereitung eines Referats – und für die «doch ziemlich weite Reise nach Davos».
  • 1964 richtet die Kunstgesellschaft eine Ausstellung mit Werken Hermann Klöcklers aus. Im Geschäftsjahr 1967/1968 bietet die Kunstgesellschaft 5 Konzerte, 4 Theatervorstellungen, 2 Vorträge und 15 Filmabende, im Jahr darauf 4 Konzerte, 2 Theater, 4 Vorträge und 19 Filmabende.
  • 1984/1985 kommt es zu der grossen Ausstellung «Philipp Bauknecht zum 100.Geburtstag» im Kongresszentrum und in der Galerie Iris Wazzau. 1996 gibt es eine «Art brut Woche».
  • Und vielleicht stellt sich jetzt die Frage: Gab es nie Versuche, sich in die Programmgestaltung einzumischen? Doch, die gab es. Davon zeugt etwa ein Briefwechsel von 1944. Darin geht es um einen deutschen Doktor, der von einem Aussenstehenden als Referent vorgeschlagen wird. Wenn vielleicht auch durchaus unpolitisch, heisst es im Briefwechsel, gehöre dieser Doktor doch zu den Leuten, die die heute in Deutschland geltende Weltanschauung und Gesinnungsweise hätten vorbereiten helfen. Zudem sei zu vermuten, dass der Doktor auch ein Glied in der deutschen Kulturpropaganda darstelle. Vorschlag abgelehnt.
  • Im Jahre 2006 durfte die Kunstgesellschaft Davos den Landwasserpreis entgegennehmen. Die Kulturkommission der Gemeinde Davos zeichnet mit diesem bedeutenden Preis alljährlich eine Persönlichkeit oder eine Gruppe aus, die sich durch besonderes Engagement um die kulturellen Belange der Landschaft Davos verdient gemacht hat.

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